Raum für die meiste Zeit

Lose Vermutungen zur alltäglichen Praxis des Wohnens

  • Franz Schandl
  • Lesedauer: ca. 7.0 Min.

Durch die Wohnung setze ich anderen eine Schranke, die nicht verletzt werden soll. Eine Wohnung ist, so betrachtet, der Prototyp des nichtöffentlichen Raumes. Die Möglichkeit des Versperrens, des unbegründeten Abschließens und Abschottens hat gewährleistet zu sein. Das bürgerliche Wohnen baut auf einem strikten Gegensatz von Exklusion und Inklusion. Der Wohnraum selbst ist nach innen weniger porös als der Staat, die Eigner verfügen rigoros, nach außen freilich soll jener absolut durchlässig sein. Alle sollen raus dürfen, aber nur wenige rein.

Existenzielle Bedürfnisse sind hier zugegen: Schlafen, Essen, Vögeln, Kleiden, Waschen, Pflege, Erziehung oder Spiel, aber auch sehr lästige Pflichten wie Putzen oder Bügeln, Aufräumen oder Verstauen. Die Wohnung ist ein Ort, der die Regelmäßigkeit des Alltags ordnet, primär den Reproduktionsbereich. Berufsleben und öffentliches Leben finden anderswo statt, wenngleich in den letzten Jahre...


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