Vertraute Fremde

Über das schwierige Verhältnis zwischen Deutschen und Russen.

  • Irmtraud Gutschke
  • Lesedauer: ca. 4.5 Min.

Die Gänse fielen, blutige Federbüschel wirbelten umher; Spieß schoss nicht daneben.« Die Leute im Dorf wussten, dass der Mann jedes Jahr im Juli, am Tag seiner Verletzung in der Schlacht am Kursker Bogen, hinter geschlossenen Fensterläden so lange trank, bis sich seine Wut entladen konnte. Mit festem Schritt kam er gegen Abend heraus - »und begab sich auf die Suche nach den Deutschen«. Wie er den Feind in einem Ganter namens Fritz zu erkennen glaubte, die groteske Szene wird dem kleinen Kirill im Gedächtnis bleiben, ebenso wie die Wege mit der Mutter seines Vaters über den Deutschen Friedhof in Moskau. Dort spürte er, dass die vertraute Großmutter in Verbindung »mit etwas Unerklärlichem stand«.

Sergej Lebedew kann packend erzählen, sodass sein Roman »Kronos’ Kinder« zunehmend an Spannung gewinnt. Die rührt zum großen Teil aus seinen Recherchen. Wie schon im vorigen Roman, »Menschen im August«, gräbt er nach dem Verdrängten in der ...


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