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Männer vermissen die Dorfkneipe

  • Wilfried Neiße
  • Lesedauer: 3 Min.

Auf dem Lande werden örtliche Treffs wie die Dorfkneipe vermisst, fehlende Arztpraxen und Geschäfte beklagt. Dennoch ist die Stimmung im Großen und Ganzen gut und wird von der Zufriedenheit mit der Lebensumwelt in Brandenburg gespeist. Das ist das Ergebnis einer Umfrage, die im Auftrag der Enquetekommission »Ländlicher Raum« des Landtags im vergangenen Juli vorgenommen worden war. Das Meinungsforschungsinstitut Info GmbH hatte 1000 Brandenburger aus allen Landsteilen telefonisch befragt. Die Resultate haben »positiv überrascht«, wie der Kommissionsvorsitzende Wolfgang Roik (SPD) nun bei der Vorstellung der Ergebnisse am Montag im Landtag sagte.

Roik zufolge leben rund drei Viertel der Brandenburger »gern in unserem wunderschönen Land«. Immerhin die Hälfte aller Befragten würde einem guten Freund empfehlen, ins Bundesland zu ziehen.

Der CDU-Abgeordnete Henryk Wichmann erkannte an, dass die Umfrage von einer »hohen Lebensqualität in den ländlichen Räumen des Landes« zeuge, wenn auch besorgniserregend sei, dass mehr als die Hälfte der Befragten in den kleinen Gemeinden sich von der Politik im Stich gelassen fühlen. »Wir haben weinende Ortsvorsteher gesehen, die nicht weiterwissen.« Ortsvorsteher seien mit ihrem Status unzufrieden, der sie zwar zu einem Anlaufpunkt für Beschwerden mache, ihnen aber reale Einflussmöglichkeiten verwehre. Als Beispiel wurde da Schönwalde genannt. Außerdem haben in der Befragung viele eine schwache Anbindung an den Personennahverkehr bedauert. Vor diesem Hintergrund sei nicht zu verstehen, dass die Zahl der Bahnhöfe im Land weiter zurückgehen soll, sagte Benjamin Raschke (Grüne).

Insbesondere Männer beklagen das Fehlen von Treffpunkten wie einer Kneipe, berichtete Anke Schwarzenberg (LINKE). In den vergangenen Jahrzehnten wurde festgestellt, dass die junge Generation die Dörfer verlässt, und dass es vor allem junge Frauen sind, die woanders ihr Glück versuchen. Laut Schwarzenberg haben Zugezogene im Schnitt mehr Probleme damit, dass der ländliche Raum auch der Landwirtschaft dient. Diese Menschen fühlten sich von Stallgeruch und Maschinenlärm gestört. Weil sich vor allem ältere Menschen wegen der besseren Versorgung wieder verstärkt in mittelgroßen Städten ansiedeln, ist der Bedarf an Wohnungen dort deutlich höher als in den Dörfern und Kleinstädten.

Alle Kommissionsmitglieder wiesen entschieden das Ansinnen zurück, angesichts der wenig spektakulären Umfrageergebnisse die Kommission aufzulösen. Es seien trotz »schöner Ergebnisse« Defizite und »große Baustellen« zu verzeichnen, meinte der CDU-Abgeordnete Wichmann. Für ihn zeigt die Umfrage, dass auf eine Kommunalreform verzichtet werden sollte, um den Abstand zwischen Bürger und politischer Vertretung nicht noch zu vergrößern. Kommissionschef Roik merkte an, eine solche Schlussfolgerung lasse sich aus den Ergebnissen nicht ohne weiteres ableiten.

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