Bis die Federn fliegen
Nach einem Jahr Bettensteuer nennt Dresdens Tourismusverband die Bilanz »desaströs«
Dresden. Ein Jahr nach der umstrittenen Einführung einer Bettensteuer in Dresden sieht der Tourismusverband der sächsischen Landeshauptstadt seine Befürchtungen bestätigt. Die Bilanz sei »desaströs«, sagte der Verbandsvorsitzende Johannes Lohmeyer der dpa. Vor allem Geschäftsreisende würden sich massiv über die Höhe der Steuer und die Art ihrer Erhebung aufregen. »Es springen uns große Kongresse ab und Konferenzen, weil die Befreiung von der Bettensteuer in Dresden komplizierter ist als in allen anderen Städten.« Er sprach von einem »Frontalangriff auf die Branche« und sieht Jobs in Gefahr.
Mit rund sechs Millionen Euro Einnahmen habe der Stadtrat bei seinem Beschluss zur Einführung der Beherbergungssteuer gerechnet, sagte Stadtsprecher Kai Schulz. »Und wir werden diese Zahl auch mindestens erreichen.« Da der Aufwand für Personal- und Sachkostenaufwand bei unter 300 000 Euro liege, stünden Aufwand und Nutzen in gutem Verhältnis.
Bei den Hoteliers sieht man das anders. Zu schaffen macht ihnen laut Lohmeyer auch das komplizierte Stufenmodell. So wird für Zimmer, die unter 30 Euro pro Nacht kosten, pauschal ein Euro Steuer erhoben. Der Betrag steigert sich dann in Stufen auf drei, fünf und sieben Euro für Zimmer, die bis zu 60, 90 oder 120 Euro pro Nacht kosten. Für teurere Zimmer erhöht sich die Abgabe pro 30-Euro-Schritt um zwei Euro. »Durch diese Staffelung können die wenigsten von uns die Bettensteuer automatisiert erheben, so dass wir das von Hand buchen müssen. Uns entstehen da mehrere Stunden Arbeitszeitaufwand am Tag«, sagte der Verbandsvorsitzende.
Noch schlimmer sei aber der Eindruck bei den Besuchern. »Das Problem mit der Bettensteuer ist ja, dass es den Gästen erst vor Ort klar wird, wie sie abgezockt werden, und dass sie deshalb nicht wiederkommen«, sagte Lohmeyer. Dresden lebe von der Wiederkehr seiner Touristen. Im April sei ein massiver Einbruch bei den Übernachtungen von über sechs Prozent zu verzeichnen gewesen.
Im Rathaus führt man den Besucherrückgang auf andere Faktoren zurück. »Wir gehen eher davon aus, dass die Diskussion um Pegida für den Rückgang verantwortlich ist«, sagte Schulz. »Wissenschaftlich belegen können wir dies aber nicht.«
Lohmeyer verwies darauf, dass die Branche mit rund 24 000 Jobs der zweitgrößte Arbeitgeber der Stadt sei. »Wir haben im letzten Jahr schon 700 Jobs abbauen müssen. Dieses Jahr deutet alles darauf hin, dass es noch mehr sein werden.«
Kritik äußerte Lohmeyer auch an der Verwendung der Mittel. »Es ist uns vorher von der Politik versprochen worden, dass eine Gegenleistung für unsere Gäste gibt - dann wäre auch die Akzeptanz deutlich höher.« Auch sollte zumindest ein Teil der Einnahmen in den Tourismus zurückfließen. Dies sei aber kaum der Fall. »In Dresden haben wir das am schlechtesten finanzierte Stadtmarketing und gleichzeitig die zweithöchste Bettensteuer Deutschlands«, sagte der Verbandsvorsitzende. dpa/nd
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